Das Vermächtnis der Familie Holzer: Ein Jahrhundert Bitter-Handwerk – von Triest bis Hongkong
Manche Spirituosen erzählen von einem Ort. Andere von einem Herstellungsprozess. „Holzer Original“ erzählt eine Familiengeschichte, die Kontinente und Kriege überdauert, mehr als ein Jahrhundert umspannt und heute in Hongkong ein überraschendes neues Zuhause gefunden hat.
Dies ist nicht einfach nur eine Flasche Fernet. Es ist der wiedererwachte Herzschlag eines Familienunternehmens, das sich weigerte, in der Versenkung zu verschwinden. Begeben wir uns auf die Spuren dieser Reise.
Der Anfang: Oskar Holzer und die Familie Stock (frühes 20. Jahrhundert)
Unsere Geschichte beginnt in der Hafenstadt Triest, die damals zum Österreichisch-Ungarischen Reich gehörte. Hier ging ein Mann namens Oskar Holzer eine Partnerschaft mit der berühmten Familie Stock ein, den Schöpfern des legendären Stock-Fernet.
Man stelle sich die Szene vor: ein geschäftiger europäischer Hafen, die Anfänge der kommerziellen Bitter-Herstellung und Oskar, der das akribische Handwerk der Mazeration, der Komposition und der Auswahl der Botanicals erlernt. Er war nicht bloß ein Angestellter; er war ein geschätzter Partner in einem der angesehensten Häuser für Bitter-Spirituosen jener Zeit. Diese Lehrzeit in Triest legte den Grundstein: Die Familie Holzer war nun im Bitter-Geschäft tätig.
Der Wendepunkt: Bewahrung in Krisenzeiten (Zweiter Weltkrieg)
Die Geschichte durchkreuzt oft die sorgfältigsten Pläne. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs sah sich die Familie Stock gezwungen, Triest zu verlassen. In ihrer Abwesenheit war es Oskar Holzer, der den Betrieb aufrechterhielt. Über Jahre hinweg führte er die Geschäfte, hütete die Rezepturen und bewahrte das Erbe, bis die Familie Stock zurückkehren konnte.
Diese Zeit ist von entscheidender Bedeutung. Sie zeugt von einem Engagement, das weit über das Geschäftliche hinausging. Es ging um Verantwortung und Respekt vor dem Handwerk an sich. Als der Krieg endete und die Familie Stock zurückkehrte, trafen Oskar und sein Sohn eine wegweisende Entscheidung: Es war an der Zeit, etwas Eigenes aufzubauen.
Das erste „Holzer Original“: Eine Familienmarke entsteht
Nach der Trennung von der ursprünglichen Firma gründeten Oskar und sein Sohn ihre eigene Marke: Holzer Original. Sie brachten ein Jahrhundert an gesammeltem Wissen und ihre eigenen, archivierten Rezepturen mit. Über Jahrzehnte hinweg produzierten sie ihren unverwechselbaren österreichischen Fernet und erwarben sich vor Ort einen Ruf für herausragende Qualität.
In den 1980er Jahren folgte dann ein stilles Kapitel. Aufgrund veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sah sich die Familie gezwungen, den Betrieb einzustellen. Die Brennblasen verstummten. Die Rezeptbücher wurden beiseitegelegt. Es schien, als würde das Erbe hier enden.
Die Wiederbelebung: Ein Herzensprojekt der vierten Generation (2016)
Die besten Familiengeschichten zeichnen sich durch ein Comeback aus. Den Anstoß dazu gab Raphael Holzer, Oskars Urenkel.
Raphael wuchs mit diesen Geschichten auf. Gleichzeitig war er in der modernen Welt der Gastronomie zu Hause und arbeitete in Bars und Restaurants rund um den Globus. Er verstand sowohl das in seinem Blut liegende Erbe als auch den modernen Geschmack.
Im Jahr 2016 beschlossen Raphael und sein Vater – angetrieben von Leidenschaft und Pflichtgefühl –, den schlafenden Riesen zu wecken. Sie öffneten wieder das Familienarchiv, nahmen die alten Brennblasen in Betrieb und ließen die geheime Holzer-Rezeptur neu aufleben. Doch es handelte sich nicht bloß um eine Neuauflage, sondern um eine echte Wiedereinführung. Raphaels internationale Erfahrung, einschließlich einer tiefen Verbundenheit zu Asien, prägte eine neue Vision: diesen charakterstarken österreichischen Geist einem weltweiten Publikum nahezubringen.
Warum Hongkong? Das moderne Kapitel
Damit sind wir in der Gegenwart angelangt – und bei der Erklärung, warum Sie diese Zeilen in Hongkong lesen. Raphael teilt seine Zeit zwischen Österreich und Asien auf, wobei Hongkong als strategische Basis dient. Die Stadt ist der ideale Standort: ein anspruchsvoller, internationaler Knotenpunkt mit einer Vorliebe für erstklassige Handwerkskunst und komplexe Geschmacksprofile.
Die Einführung von „Yuzu Granit Hi“ – einem Highball aus der Dose, der die Holzer-Basis mit echter japanischer Yuzu vereint – steht sinnbildlich für dieses neue Kapitel. Die Idee dazu entstand direkt hier in Hongkong. Das Produkt verkörpert das Erbe der Familie: österreichische Kräuter-Handwerkskunst trifft auf modernen, globalen Zeitgeist.
Heute ist jedes Mitglied der Familie Holzer in den Prozess eingebunden – vom Sammeln der Botanicals im Brunnwald bis hin zur Etikettierung jeder einzelnen Flasche von Hand. Es ist wieder ein echtes, lebendiges Familienunternehmen.
